• 2008-05-20

    Panikforschung

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    Panikforschung

    Was passiert, wenn es auf Schiffen brennt

    Von Mirko Smiljanic

    Technik. - Ein Horrorszenario: Irgendwo in der Karibik oder im Mittelmeer kreuzt eines der großen Traumschiffe mit mehreren Tausend Passagieren - und in einer Kabine bricht Feuer aus. Panik bricht aus, viele hundert Tote könnten die Folge sein. Dass solche Katastrophen ausbleiben, ist Ziel des Forschungsprojektes "Personen-Strom-Analyse und Onboard-Schulung", kurz PESOS.

    Die Universität Duisburg/Essen beteiligt sich an dem Projekt, die Bundesministerien für Forschung und Verkehr, der Germanische Lloyd und einige Werften. Ein Teil des Projektes beschäftigt sich mit der Frage, was genau mit dem Rauch während des Brandes passiert: Wie verteilt er sich im Schiff? Wie verändern sich die Konzentrationen der Giftstoffe? Welche Wirkung haben sie? Ein wichtiges Instrument sind dabei Computersimulationen.

    Das wäre so eine Simulation, die die Auswirkung von Feuer und Rauch berücksichtigt, die Menschen laufen am Anfang los, um zu kennzeichnen, dass alle noch gesund und fit sind, sind erst einmal alle weiß abgebildet.

    Tobias Kretz vom Institut für Physik von Transport und Verkehr der Universität Duisburg/Essen. Auf einem Monitor wirbeln weiße Punkte wie Schnee durch schmale Gänge - in der Fachsprache heißen sie Agenten. Ihr Ziel: Weg vom Feuer, raus ins Freie! Leider nur ist der Gang im Schiff eng und der Rauch dicht. Kretz:

    Wenn Schädigungen durch einen Giftstoff eintreten, werden je nach Giftstoff die einzelnen Agenten in unterschiedlichen Farben dargestellt. Das Türkis heißt, dass jetzt hier schon eine nicht zu vernachlässigende Vergiftung durch Wasserstoffzyanid eingetreten ist.

    Ein paar Sekunden später sind erste Opfer zu beklagen. Eine Simulation, zum Glück, in der Realität würde es bei einem Schiffsbrand aber ähnlich ablaufen. Hauptproblem ist dabei nicht das Feuer, sondern der gleich in zwei Schichten auftretende Rauch.

    Die obere Schicht, wo also der Rauch von der Brandstelle wegströmt, die ist sehr verraucht, in der Regel auch sehr giftig, mit reizenden Stoffen, man fängt an zu husten und kann die Augen kaum offen halten, während die untere Schicht, die dann zur Brandstelle hinströmt, relativ frei und noch sauber ist.

    Weshalb Fachleute den Rat geben, möglichst gebückt zu laufen oder gar zu kriechen. Kretz:

    Der eine weiß es und kriecht, der nächste weiß es nicht und stolpert so dahin, ist noch in der oberen Luftschicht, stolpert über einen, der kriecht,…

    …und schon droht Panik auszubrechen! Auf jeden Fall kommen die Passagiere nicht schnell genug ins Freie. Gleichzeitig steigt die Konzentration des Rauchs in der oberen Schicht - und damit die Konzentration der Gifte.

    Der wichtigste Giftstoff ist Kohlenmonoxid, CO, ein weitere wichtiger, der kommt weniger konzentriert vor, ist aber umso giftiger HCN, bekannter als Blausäure, andere Zyanide, also Verbindungen mit CN.

    Der Unterschied zwischen einer gerade noch tolerablen Konzentration zur lebensgefährlichen ist dabei extrem klein. Hinzu kommt, dass die Flüchtenden große Mengen Kohlendioxid einatmen.

    CO2 selbst wirkt direkt nicht giftig, aber wenn viel CO2 da ist, dann ist weniger Sauerstoff da, den wir zum Leben brauchen, darum atmen wir beschleunigt und nehmen die anderen Giftstoffe vermehrt auf.

    Und noch einem weiteren Zusammenhang sind die Duisburger Forscher auf der Spur: Die Konzentration der Gifte nimmt mit der Entfernung zum Feuer ab. Wenn man weiß, in welchem Maße das passiert, müsste sich die Giftkonzentration an jedem Punkt des Schiffes berechnen lassen. Lässt sich auch und wird in Simulationen gemacht, wobei natürlich noch weitere Faktoren in die Rechnung einfließen, Wind etwa, der den Rauch ins Schiff zurück drückt. Wird nun aus der Konzentration etwa von Kohlenmonoxid ein biologischer Schwellwert abgeleitet, lassen sich gezielt Gegenmaßnahmen für Räume mit bedrohlich hohen Giftkonzentrationen einleiten.

    Man pumpt in den Raum, der unsicher ist, Luft von außen rein, dadurch strömt erst mal kein Rauch mehr da rein.

    Denkbar sind aber auch neue Fluchtwege oder breitere Gänge.

    Man schaut, von wo dauert es nach dem geplanten Evakuierungsplan am längsten, bis man draußen ist? Wo sind Engstellen, wo würde es sich stauen und was würde passieren, wenn ich jetzt eine Türe breiter mache?

    Schlichte Fragen, die sicherstellen sollen, dass der Urlaub auf dem Traumschiff nicht als Alptraum endet.

     


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